Bildschirmfoto 2015-07-10 um 12.32.19Es war unser Oberstudienrat, der alte Verbrecher. Er hat sich einen Computer gekauft und dachte sich so: „Ach, wär doch ne schöne Sache, wenn wir da ein Schulfach draus machen.“ Es war 1990 und PC´s waren noch rar. Wir dattelten auf Atari und C64 rum und spielten unsere Datasetten und Floppydisks hoch und runter. Und da saßen wir nun und lernten „Basic“, eine Programmiersprache, an einem damals hochmodernen Computer. Unser Lehrer war uns im besten Fall eine gute Woche voraus und kam aus einem ganz anderen Stall. So wurde der ordentlich kubisch behauene Grundstein gelegt für eine Computergeneration und man kann sich nur wundern, dass das einigermaßen gut gegangen ist. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte damals ein eingeschworener Hacker und Bitsammler mit leuchtenden Augen vor uns gesessen und mit uns phantastisch-skurile Ausflüge unternommen in die chaotische Welt der Einser und Nuller.

Wir hatten keine Wahl. Schule ist Pflicht hierzulande und die Lehrer kann man sich nicht aussuchen.
Doch Lindy Hop Tanzen ist freiwillig und die Lehrer kann man sich aussuchen, vor allem, wenn man versucht, über Videos zu lernen. 
Was sich auf Youtube so alles tummelt und anpreist, unvoreingenommenen und unschuldigen Suchenden Lindy Hop beizubringen, zieht einem zuweilen die Tanzschuhe aus. Und es scheint schier außer Kontrolle zu geraten, wenn man sich die Klicks der einzelnen Videos anschaut. 

Ich habe ein paar ganz besonders exotische Beispiele herausgepickt und bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich damit machen will. Ich will die Suchenden schützen, doch das geht nicht. Mich hat auch keiner beschützt vor unserem überengagierten Oberstudienrat. Wir müssen lernen und Fehler machen und Wege beschreiten, die man vielleicht meiden könnte. Ach das Leben ist schön.


Fast eine halbe Million Klicks, ganz großartig. Der Swing Out ist über jeden Zweifel erhaben (check 4:50).




The Ballroom Approach (check 2:20)




Noch mehr Ballroom, aber mit Leidenschaft und Musik zum Funken. (check 1:50)




As they say: ‚Practice makes perfect.‘ Don´t miss the End (check 7:50)




Noch ein Ballroomkracher.




Der mentale Ansatz auf deutsch. No bounce, many words. 




Aber das ist zweifelsfrei das Killer-Swingdance-Programm.
Fast 30 Minuten Tanzunterricht ohne dass getanzt wird. Geniales Konzept.



Lindy Hop hat viele Ausprägungen und es ist unmöglich diese in richtig und falsch zu unterscheiden. Es ist sogar schwer zu sagen, was Lindy Hop ist und ausmacht. Ich denke ganz grundlegend ist, dass es zu Swingmusik getanzt wird, bzw. zu Swingmusik tanzbar ist.

Swingmusik hat einen ganz besonderen Rhythmus und der klingt in etwa so:

Sie ist nicht straight, sie swingt eben.

Dann gibt es noch so ganz essentielle Punkte wie Bounce und Bodylead, sprich wir tanzen mit Bounce und führen/folgen mit dem ganzen Körper. Ja und dann wird es schon so langsam eng mit den Definitionen. Aber wie auch immer. In keinem der Videos oben werden diese zwei Punkte auch nur ansatzweise erfüllt.

In der riesigen internationalen Lindy Hop Community wird mehr oder weniger nach dem Vorbild von Frankie Manning getanzt, dem Lindy Hop Superstar aus den old und new times. Und auch da zeigen sich mittlerweile große Veränderungen. Aber es macht schon alles Sinn. Es wird zu Swingmusik getanzt, connected, gebounct und wie verrückt improvisiert. 

Hier ein ganz tolles Beispiel aus jüngster Zeit.
(Ganz nebenbei zu äußerst swingender Livemusik.)



Also Newcomers lasst euch nicht verwirren von diesen leicht staubigen Videos. The fun is out there.
Es gibt auch ein paar brauchbare Lindy-Lernvideos, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Wenn ihr noch solch großartige How NOT to – Beispiele kennt, immer her damit. Das ist aktive Qualitätssicherung…